In Cartagena angekommen, dusche ich noch schnell und falle dann in die Koje. Meine Schuhe hatte ich in Leticia noch abgespült. Leider wurden sie nicht mehr trocken und so steckte ich die nassen Wanderschuhe in einen Plastikbeutel und den wiederum in den Koffer. Ich habe wohl nicht den ganzen Matsch vom Amazonas entfernt. Was es bedeutet, wenn Schuhe mit nassem Matsch stundenlang in einer Plastiktüte… Buh, das stink!

Also so schön wie der Fluss ist, umso mehr stinkt der Schlamm an den Schuhen. Der ekelhafte Geruch ist ja nur das Eine. Aber ich fliege in Sandalen. Das hat mir die nächsten Blasen an den Füßen beschert. Vernünftig wie ich nun mal bin, möchte ich unbedingt vom Flugplatz zum Ibis Hotel in Cartagena laufen. Jaja, Bewegung ist gut. Auf jeden Fall bin ich nach der Dusche gleich eingeschlafen.

Mein Tag in Cartagena startet mit Schmerzen

Als ich am nächsten Tag aufwache, tun mir meine Füße weh. Ich habe mir ordentlich die Sohle und die Hacken ramponiert. Blasen auf der Lauffläche und an der rechten Ferse. Hinzu kommt diese fette Brandblase am Rücken, die sich wieder ordentlich gefüllt hat. Nun gut. Ich stehe auf und humple zum Frühstück. In der zweiten Etage ist das Buffet aufgebaut. Allerdings nicht zum selbst bedienen, sondern ich musste auswählen, was ich haben möchte. Der nette Mann füllt meinen Teller. Ich nehme Fleisch, Eier, Brötchen und viel Obst. Die Getränke darf ich selbst zapfen. Nun schlurfe ich auf die kleine Terrasse und genieße das Schauspiel auf der Straße. Es hat in der Nacht geregnet und das Wasser steht auf der Straße. Die Autos fahren trotzdem. Die Busse fahren mit offenen Türen, teilweise hängen die Menschen außen am Bus. Krasse Sache.

Busse in Kolumbien
Busse in Cartagena

Als ich fertig bin, mache ich mich startklar und marschiere in den kleinen Lebensmittelladen, der ein paar Straßen weiter liegt. Ich muss heute etwas kürzertreten, denn meine Haut hat ordentlich Sonne abbekommen. Außerdem ist das Laufen ein wenig schmerzhaft. So humple ich in den Lebensmittelladen und stelle fest, dass es kein Wasser gibt. KEIN WASSER!

Blasenpflaster? Fehlanzeige! Ich kaufe mir ein wenig Wasser mit Geschmack (es ist keine richtige Limo), eine riesige Papaya und ein paar Knusperdinger aus Schokolade.

Das ganz besondere Restaurant, gleich neben dem Hotel

Auf dem Weg ins Hotel ruft mir eine junge Dame entgegen, die in einem Restaurant nach Kunden wirbt. Sie spricht Spanisch. Ich verstehe wieder mal nichts, aber ich kann mir denken was sie will. Ich drehe mich um und sage: „No Espanol!“ Der Chef des Restaurants, der gechillt auf einer Liege liegt und mit dem Handy spielt, rückt hoch und zeigt auf die Speisekarte. Ich zeige meine Einkaufstasche und sage: „Uno Momento“. Die junge Kolumbianerin sagt: „See you Later!“.

Esel in Cartagena
Ein natürlicher LKW

Ich bringe meinen Einkauf aufs Zimmer, trinke einen Schluck von dem Pseudowasser und gehe wieder nach unten. Es sind nur ein paar Schritte vom Hotel. Ich stehe beim Restaurant und die junge Frau schaute ganz erstaunt. Die meisten Touristen, welche sagen: „Bin gleich wieder da!“, kommen nicht zurück. Nun, ich bin eben unberechenbar.

Es gab drei Menschen in dem Restaurant: der Chef, seine Frau und die junge Dame. Sie zeigt mir die Treppe nach oben. Mit schmerzenden Füßen klettere ich die Stufen hinauf und komme auf eine Terrasse. Die Tische sind viel zu niedrig, meine Beine passen nicht drunter. Dafür ist die Aussicht genial. Der Blick schweift direkt aufs Meer!

Blick aus dem Restaurant
Der Ausblick von der Terrasse ist echt schön

Ich setze mich hin und Blicke also geradeaus auf das Meer. Die Sonne blendet und die kleine Kolumbianerin schaut mit einem strengen Blick. Ich soll mich auf die andere Bank setzen, da wo ich vor der Sonne geschützt bin. Artig mache ich, was mir befohlen wird. Sie setzt sich mit der Speisekarte und dem Handy auf den Stuhl vor mich und sagt mir, was da auf der Speisekarte steht. Das Handy brauchte Sie als Übersetzer. Nach einer Weile hatte ich Tacos bestellt. Sie ging nach unten und später brachte Sie mir die zwei Tacos. Die waren echt gut, es war verschiedenes Fleisch mit Gemüse und einer hervorragenden Würzmischung. Dazu trank ich Cola. Nach dem Essen lerne ich, was schwarzer Kaffee auf Spanisch heißt: „Café negro“. Ich konnte es nicht aussprechen, aber die nette Dame ging erst nach unten, als ich es konnte. Eine strenge Lehrerin!

Café sin Azucar“ und „Café sin leche“. Nun gut, ich bezahlte und der Herr des Hauses bedankte sich. Das Mädchen gab mir zu verstehen, wo ich mein Abendmahl zu mir zu nehmen habe. Ich hebe meinen Daumen nach oben und marschiere aufs Zimmer.

Ich brauche Geld und eine Apotheke

Auf dem Zimmer beschließe ich in die Stadt zu laufen. Ich brauche Bargeld und eine Apotheke. Die Blasen machen mir das Leben schwer. Ich brauche Desinfektionsmittel und Blasenpflaster. Also marschiere ich los. Der nächste Geldautomat ist ein Stück weg und so laufe ich auf meinen Blasen durch die Stadt. Dort ist viel los. Ein aufgeregtes Treiben bei den Geschäften.  Die Fußwege sind katastrophal und das Wasser steht teilweise ziemlich hoch. Einen Geldautomaten finde ich nicht. Mich beeindruckt allerdings das Wasser! Das Regenwasser steht regelrecht auf der Straße.

Überschwemmung Cartagena
Munter durch das Wasser

Auf meinem Rundgang laufe ich durch das Armenviertel Cartagenas. Die Straßen vor den Häusern sind Schotterpisten, der Matsch reicht bis an die Tür und die Kinder spielen Fußball. Das Leben spielt sich weitgehend draußen ab. Ich komme an einem kleinen See vorbei, auf der Bank sitzt ein junges Mädchen neben einer älteren Frau. Sie sagte „Hey“. Ich sagte auch „Hey“. Dann sagte Sie wieder „Hey“ und ich sagte auch „Hey“. Ob die schon 18 war? Ich lief weiter, aber Sie rief mir hinterher. Es war nur ein schüchternes Wort: „Chica!“ Tja, weißer Gringo läuft durch Armenviertel! Also die ersten Tage in Kolumbien sind schon sehr bewegend. Möchte nicht wissen in welchem Alter die Mädchen anfangen Geld zu verdienen. Noch verstörender fand ich aber, dass die ältere Frau einfach so daneben saß, ohne mit der Wimper zu zucken, während das junge Ding versuchte Ihren Körper zu verkaufen…

Das Armenviertel in Cartagena
Das Armenviertel in Cartagena

Im Dunkeln durch Cartagena

Nach meiner Runde gehe ich ins Hotel, dort habe ich WLAN. Ich schalte die Navigation ein und tippe „Geldautomat“ ein. Aha, dort muss ich lang. Wieder latsche ich in Sandalen los, denn meine Schuhe sind noch nass. Zwischenzeitlich ist es dunkel geworden, aber die vielen Geschäfte beleuchten die gesamte Stadt.

Nach einem langen Fußmarsch komme ich zu einem Einkaufszentrum, dort befindet sich ein Geldautomat. Ich schiebe die Karte rein und dann erscheint die Meldung, dass man sich dafür bedankt, dass ich den Automaten nutze. Schon kam die Karte raus und auf dem Beleg stand, dass die Transaktion unvollständig sei. Ich liebe diese kleinen Pannen, besonders wenn mir die Füße wehtun!

Sonnenuntergang in Cartagena
Zwei Straßen weiter ist das Meer. Dort sieht der Sonnenuntergang genau so aus

Ich humple wieder raus und latsche um die Ecke. Dort ist ein weiterer Automat. Hier bekomme ich problemlos mein Geld und wandere schnurstracks in die Apotheke. Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Drogerie und die Apotheke in Kolumbien ein und dieselbe Sache sind. Das finde ich aber noch raus.

In der Apotheke erkläre ich, dass ich Blasen habe und bekomme Desinfektionsmittel, Kompressen und Pflaster. Dafür lege ich stolze 92.000 Peso (20 Euro) auf dem Tisch. Nun marschiere ich zurück ins Hotel, aber der Weg erscheint endlos. Immerhin sind es knapp 2 km, die sich mit Blasen an den Füßen und Sandalen zu einer echten Tortour erweisen.

Operation Cartagena beginnt

Im Hotel angekommen, beginne ich mit meiner „Operation“ und sprühe die Nadel mit dem braunen Desinfektionsmittel ein. Kompressen und Pflaster liegen bereit, so wie es auch im OP gehandhabt wird. Ich stelle mich also seitlich vor den Spiegel und pikse in die Blase. Schnell Taschentücher drauf, damit die Soße nicht überall hinläuft.

Nachdem ich nun meine Operation beendet habe, ziehe ich ein neues Hemd an und gehe in das Restaurant. Die junge Dame guckt erstaunt und bewaffnet sich mit Speisekarte und dem Übersetzer. Wir kommen ein wenig ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie viel arbeiten muss. Nachdem ich den leckeren Salat mit Hähnchen verdrückt hatte, darf ich meine Nummer in Ihr WhatsApp eintippen. Das mache ich gern.

Später schreiben wir noch ein wenig und so erfahre ich was sie so tut, wie die Lage in Kolumbien ist und dass sie eigentlich noch studiert. Mich bewegt das alles und zwar aus einem guten Grund…