Die Stadt Straßburg dient als starkes Bindeglied zwischen Frankreich und Deutschland. Als Hauptstadt des Elsass war Straßburg zwischen 1870 und 1945 hart umkämpft. Immer wieder zwischen Deutschland und Frankreich hin und her gerissen. Als sich Elsass-Lothringen nach dem Ersten Weltkrieg als unabhängige Republik erklärt hatte, dauert dieses Gefühl der Freiheit nicht lange und die französischen Truppen besetzten das Gebiet. Die Stadt Straßburg ging nach dem Ersten Weltkrieg, gemäß des Versailler Vertrages, an Frankreich.

Straßburg war eine Geisterstadt

Kaum vorstellbar, dass die lebhafte, aber dennoch gemütlich anmutende Stadt einmal menschenleer war. Ein modernes Krisenmanagement hätte riesige Probleme eine ganze Stadt leer zu räumen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die gesamte Stadt evakuiert, sodass Straßburg 10 Monate lang ohne Menschen war. Also fast, denn die einzigen Menschen die sich hier aufhielten, waren die stationierten Soldaten. Wir evakuieren halt mal schnell eine ganze Stadt.

Johannes Gutenberg
Johannes Gutenberg hat den Buchdruck erfunden

1940 wurde das Elsass an das Deutsche Reich angeschlossen, sodass alle französischen Straßennamen durch deutsche Bezeichnungen ausgetauscht wurden. Im selben Atemzug wurde die französische Sprache verboten. Heute verstehen gerade die älteren Menschen noch Deutsch, aber Französisch ist Standard!

Straßburg ist eine der Big Player Europas

Die Hauptstadt des Elsass, Straßburg, ist die siebtgrößte Stadt Frankreichs. Allerdings werden hier die Weichen Europas gestellt. Ein Tummelplatz der europäischen Politik. In Straßburg tagt das europäische Parlament, der Europarat und der europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Das ist gar nicht mal neu, denn der Europarat war schon ein Wunsch von Winston Churchill und wurde bereits 1949 in die Stadt Straßburg verlegt.

Straßburg mit Pflanzen
in Petit France prägt sich das Stadtbild entspannt

3 Jahre später rückte das Europäische Parlament an. So ist Straßburg nicht nur kulturell die europäische Zentrale, sondern auch politisch. Straßburg verbindet mehrere Nationen zu einem einheitlichen Europa. Die deutsch-französische Zusammenarbeit wird auch im TV spürbar, denn der Fernsehkanal ARTE ist ein deutsch-französischer Kulturkanal und seit 1992 in Straßburg ansässig. Wer in Straßburg spazieren geht, weiß gar nicht so recht wo er genau ist. In Deutschland oder in Frankreich? Irgendwie…naja…aber…

Deswegen sprechen wir immer wieder von einem Bindeglied!

alte Stadtmauer von Straßburg
Reste der alten Stadtmauer

Das Stadtzentrum Straßburgs gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und strahlt trotz der vielen Besucherströme eine gewisse Gemütlichkeit aus. Markant ist der Stadtteil Petit France, eine hübsche Gegend mit engen Gassen und zahlreichen Restaurants.

Petite France – ein Stadtviertel nur für Fußgänger

Petite France ist eine Kleinstadt in einer Großstadt. Das Stadtviertel von Strassburg ist das ehemalige Arbeiterviertel der Stadt. Früher tummelten sich Fischer, Gerber und Müller. Das kleine Viertel in einer der bedeutendsten europäischen Städte ist gespickt mit alten Fachwerkhäusern. Die markanten Bauten stammen teilweise aus dem 16, oder sogar aus dem 17. Jahrhundert. Es ist der typische Architekturstil, den wir im Elsass erwarten.

Im Frühjahr, Sommer oder auch im Herbst: Straßburg eine sehr schöne Stadt, dicht bepflanzt mit hängendem Grün und vielen bunten Blumen. Das französische Stadtviertel Petit France erinnert an Venedig, denn es ist durchzogen von Kanälen und einem kleinen Fluss. Direkt an der Ill steht noch heute das alte Gerberhaus. Das „Maison des Tanneurs“ kann heute noch bestaunt werden und dient sicherlich als begehrtes Fotoobjekt.

Maison des Tanneurs in Straßburg
Maison des Tanneurs – das alte Gerberhaus

Es ist architektonisch markant und fällt direkt auf. Petite France ist überwiegend eine Fußgängerzone, was sicherlich mit ein Grund für die Gemütlichkeit ist.

Selbstverständlich erwarten uns zahlreiche Restaurants mit elsässischer Küche. Zwar erblicken wir einige Restaurants mit den Gerichten fremder Länder, aber überwiegend stehen Eisbein und Flammkuchen auf der Karte. So gemütlich wie heute war es nicht immer, denn als Petite France noch ein Arbeiterviertel war, durchzog ein unangenehmer Gestank das Viertel. Klar, denn die Gerber trockneten die Tierhäute. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das ist auch gut so, denn sonst könnten wir nicht so gemütlich durch Straßburg schlendern.

Außerdem ist das alte Haus heute ein gut gehendes Restaurant, in dem die elsässische Küche serviert wird. Da sind stinkende Tierhäute fehl am Platz. Petite France ist sicher eines der schönsten Plätze der Stadt Straßburg.

Das Wahrzeichen – der Straßburger Münster

Das Münster zu Straßburg ist sicher das Wahrzeichen der Stadt und bereits mehr als 1.000 Jahre alt. Es ist etwas schwierig den Dom auf ein Foto zu pressen, immerhin hat der Turm eine Höhe von über 140 m. Als Aussichtspunkt dient uns der Südturm, den wir nach 332 Stufen bestiegen haben und die wunderbare Aussicht auf eine alte, aber dennoch moderne Stadt genießen können.

Münster zu Straßburg
Das Münster zu Straßburg – auch bekannt als der Dom von Straßburg

Gleich in der Nähe, also direkt gegenüber, befindet sich ein schönes altes Fachwerkhaus, mit reich verzierter Fassade. Das Maison Kammerzell ist so ein traditionelles Restaurant, in dem wir die typisch elsässische Küche genießen. Das Gebäude ist schon in die Jahre gekommen, denn es steht seit 1427 an dem Platz.

Maison Kammerzell
Maison Kammerzell – es steht seit 1427 an dem Platz

Jetzt wo der Tag langsam zu Ende geht, freuen wir uns auf die Fahrt nach Colmar. Auf dem Weg dorthin, nur 25 km nach Süden, halten wir in dem bezaubernden Ort Obernai und wandern auf den Odilienberg.

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